|
Schach 2009/10, Runde 6: SG Niederelbe I - Wilhelmshavener SF 3 ½ : 4 ½
Liebe Schachfreunde,
der sehr wichtige Mannschaftskampf gegen Wilhelmshaven wäre fast abgesagt worden wegen der Straßenverhältnisse. Erst Samstagmittag vor dem Spieltag sollte eine Entscheidung getroffen werden. Sie wurde auch getroffen, aber ich wurde erst nach telefonischer Nachfrage informiert. Sei's drum.
Wichtig war zunächst mal, dass es stattfand, denn so konnte Thomas Cuno spielen, der normalerweise auch sonntags arbeiten muss und es nie gewährleistet ist, ob er spielen kann. Außerdem standen als Ersatzleute Frank und Timo Sturm zur Verfügung, ohne die 2. Mannschaft zu belasten, denn sie brauchten wegen Absage aller Mannschaftskämpfe in unserem Bezirk dort nicht zu spielen.
Damit hatten wir eine gute Mannschaft, aber es reichte wieder nicht. Geprägt war der Mannschaftskampf von Zeitnot in unseren Reihen. In 4 Fällen führte das zum Verlust der Partie in teilweise vorher guten Stellungen.
Nur Frank Sturm an Brett 7 profitierte bei eigener starker Zeitnot (und schlechter Stellung) von Fehlern seines Gegners. Im 26. Zug gibt Frank einfach einen Bauern, statt diesen zu decken. Im 28. Zug macht Franks Gegner einen recht groben Fehler, indem er seinen durch Tc2 angegriffenen Lb2 mit Tb1 deckt. Frank hätte nun auf b2 nehmen können, denn wenn der Turm wieder nimmt, hängt der dann ungedeckte Te1, der durch Db4 angegriffen ist.
Frank spielt stattdessen Dd2 mit Doppelangriff auf b2 und f2, worauf Franks Gegner falsch mit Df3 deckt, statt mit Tf1. Wenn Frank dann auf b2 nimmt, opfert Weiß einen Springer auf g6 und obwohl Schwarz 2 Leichtfiguren gegen 3 Bauern hat, wird es schwer zu gewinnen, denn Frank gewinnt eine Leichtfigur zurück und verliert noch einen Bauern.
Das Ganze zu sehen, war jedoch sehr schwer. Obwohl Frank nun eine Leichtfigur mehr hat, gab es wegen seiner Zeitnot noch eine kleine praktische, taktische Chance für seinen Gegner, die aber wieder unheimlich schwer zu sehen war. Stattdessen übersieht Franks Gegner ein ganz einfaches 2-zügiges Matt.
Zwei Spieler waren noch vor Frank fertig. Zum einen an Brett 8 sein Sohn, Timo Sturm, dessen Partie ruhig verlief ohne große taktische Möglichkeiten, aber zum Schluss hatte Timo zweimal die Möglichkeit, auf f6 zu schlagen und, wenn wieder genommen wird, Sd5 zu spielen. Dann hängt die schwarze Da5 und Lf6, wenn die schwarze Dame die weiße Dame auf d2 nimmt, kommt Sxf6 mit Schachgebot ein Zwischenzug und anschließend wird auf d2 die Dame wieder genommen mit Mehrfigur und klar gewonnener Stellung. Solche Motive kommen öfters vor und nun wird auch Timo so etwas wohl nicht mehr übersehen.
Ebenfalls sehr früh war Thomas Cuno am 3. Brett fertig, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit. Obwohl Thomas am meisten beruflich angespannt ist, ist er momentan der eifrigste Punktesammler. Er mußte noch bis nachts um 3.00 Uhr arbeiten und kam etwas über eine halbe Stunde zu spät. Thomas legte die Partie schon im 3. Zug kämpferisch an. Nach einigen kleinen Ungenauigkeiten des Gegners stand Thomas immer besser, bis er schließlich auf Gewinn stand. Ein weiterer, etwas gröberer Fehler erleichterte die Sache für Thomas zum Gewinn.
Damit hatten wir schon 2,5 aus 3, aber leider wendeten sich einige Partien durch Zeitnot zu unseren Ungunsten.
In der Partie von Guido Griemsmann an Brett 6 wurde sehr viel abgetauscht, bis nur noch Schwerfiguren und jeweils ein Läufer und viele Bauern übrig waren. Das hätte eigentlich Remis werden müssen, da die Stellung nicht taktisch war. Die Taktik kam dann aber wie so oft doch ins Spiel. Unter Druck gesetzt und in Zeitnot verlor Guido einen Bauern und zum Schluss überschritt er zum ersten Mal überhaupt in einer Partie mit klassischer Bedenkzeit sogar die Zeit.
Dietmar Schade bekam die eher selten gespielte Aljehin-Verteidigung vorgesetzt. Schwarz hatte bald ein Loch auf e6, dafür aber einen guten Se5. In komplizierten Stellungen wurden insgesamt 17 meist leichte Fehler gemacht. Leider machte Dietmar etwas mehr Fehler, wohl auch durch Zeitnot.
An Brett 1 spielte ich (Peter Hertel) gegen den nominell stärksten Spieler der Liga und amtierenden Niedersachsenmeister, Nikolas Lubbe. Obwohl ich verloren habe, bin ich eigentlich zufrieden mit mir, denn ich spielte gut bis zur Zeitnot. Dabei gab es keinen Grund, in Zeitnot zu kommen, denn nach 16 Zügen hatte ich erst 8 Minuten verbraucht und im 20. Zug brachte ich mit Schwarz in einer dynamischen sizillianischen Variante eine gute theoretische Neuerung und hatte Ausgleich. Ja, richtig gelesen, 20 Züge. Endlich mal ein Gegner der kein Kauderwelsch zieht, sondern Hauptvarianten durchzieht.
Im Mittelspiel bekam ich meiner Meinung nach sogar etwas Vorteil, was die Schachprogramme bestätigen. Es folgten taktische Überseher von beiden Seiten. Statt einen Gewinnzug zu machen, opferte Lubbe inkorrekt (aber selbstbewusst vorgetragen) einen Bauern, um seinen Springer zu befreien. Einen Zug lang stand ich bald darauf auf Gewinn. Als Lubbe meinen Turm fesselt, hätte ich diesen opfern können, um den gegnerischen König mattzusetzen, aber es wäre unmöglich gewesen, das in allen Konsequenzen zu sehen und das auch noch in Zeitnot.
Nach dem Auslassen der Chance hatte ich nur noch leichten Vorteil und durch kleine Zeitnotfehler wird es ausgeglichen. Leider spiele ich auch noch im 41. Zug aus Gewohnheit schnell weiter, doch bei ein bisschen Nachdenken hätte ich das Turmendspiel sicherlich Remis gehalten. Die Misshandlung des Turmendspiels durch diesen unnötigen Fehler entscheidet dann die Partie zu Gunsten meines Gegners - eine sehr ärgerliche Niederlage.
Jetzt spielten nur noch Uwe und Arne. Uwe Kottke war fast die ganze Partie lang gegen den Stonewallaufbau im Holländer im Vorteil. Vielleicht war sich Uwe während der Partie nicht so sicher, denn er bot im 26. Zug Remis. Offensichtlich schätzte sein Gegner seine Stellung als zumindest gleich an, denn er lehnte ab.
Bald darauf kam es nach g7-g5 zu taktischen Verwicklungen am Königsflügel, wo Uwe zunächst in Vorteil blieb und bald darauf durch ein Läuferopfer auf h6 mit Angriff auf den König hätte gewinnen können, aber das war auch in dieser Partie sehr schwer zu sehen und in Uwes Zeitnot erst recht nicht. Nach Auslassen dieser Chance war es ausgeglichen, aber Uwe machte in starker Zeitnot im 40. Zug den entscheidenden Fehler, der Qualität und Partie kostete - auch sehr ärgerlich.
Damit hatten wir verloren. Daran änderte auch Arne Joppiens Gewinnpartie nichts mehr. Dabei stand Arne den größten Teil der Partie unter Druck am Damenflügel. Das änderte sich nach einem passiven Zug seines Gegners, der mit Le1 unnötigerweise f2 deckte. Danach bekam Arne Gegenspiel am Königsflügel und gewann bald einen Bauern.
Zwar spielte Arne danach nicht optimal weiter, aber sein Gegner fehlte es an Verteidigungskünsten, so dass es zum Schluss recht einfach wurde zu gewinnen, indem Arne eine Figur und Partie gewann.
Dieser Mannschaftskampf verlief wieder etwas unglücklich, besonders bei Uwe und mir, denn beide hatten einen guten Partieaufbau. Arne und Frank konnten ihre Partien noch drehen. Ein 4:4 oder sogar 4,5:3,5 wäre durchaus drin gewesen.
Nun wird es ziemlich eng. Ein Abstieg ist leicht möglich. Wahrscheinlich steigen 2 ab und wir sind momentan Vorletzter. Ich denke von der Spielstärke gehören wir in die Landesliga. Es ist diese Saison nur dumm gelaufen durch Ausfälle und weil der ein oder andere etwas unglücklich spielt.
Am 28.02.10 fahren wir nach Oldenburg und es wird jetzt immer dringlicher zu gewinnen.
Einzelergebnisse:
1.) Hertel 0 2.) Kottke 0 3.) Cuno 1 4.) Schade 0 5.) Joppien 1 6.) Griemsmann 0 7.) Sturm, Frank 1 8.) Sturm, Timo 0,5
Peter Hertel
|