Schach 2011/12 - Runde 3: SG Niederelbe - SF Leherheide 3:5
Liebe Schachfreunde,
in der 3. Runde der Verbandsliga Nord empfing die SG Niederelbe im TSV Germania Cadenberge mit dem SF Leherheide aus Bremerhaven einen der klaren Staffelfavoriten. Allen Spielern war die Schwere der Aufgabe bewusst und Teamcaptain Dietmar Schade hatte als Mannschaftsstrategie ausgegeben, an den vorderen Brettern gegenzuhalten und an den unteren Brettern die entscheidenden Punkte einzufahren. Doch schon von Beginn an ließen die Gäste keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie als Gewinner die Bretter verlassen wollen.
Am 8. Brett hatte Detlef Wickert mit den weißen Steinen im Rauser Anti-Drachen des Sizilianers im Mittelspiel einen Bauern ins Geschäft gesteckt. Nach einigem Druckspiel im Zentrum gab aber sein aufmerksam spielender Gegner im Sinne der Vereinfachung den Bauern zurück und konnte so jede Initiative entschärfen. Nach dem Generaltausch verflachte die Stellung zusehends und das Remis war folgerichtig.
Am 5. Brett konnte Guido Griemsmann mit Schwarz in der Botvinnik-Variante der Englischen Eröffnung schon in den ersten Zügen das Zepter des Handelns übernehmen. Sein Gegner spielte etwas planlos an beiden Flügeln und Guido hatte schon großen positionellen Vorteil erspielt. Doch dann folgte ein Zug, den man als völligen Blackout umschreiben kann. Ohne Zwang und Notwendigkeit verlor Guido eine Leichtfigur und stand damit natürlich klar auf Verlust. Kurz vor der 1. Zeitkontrolle gab er dann auf.
Am 2. Brett konnte Thomas Cuno mit Weiß aus seiner gewohnt soliden Eröffnung keinen wirklichen Vorteil erzielen. Nach dem frühzeitigen Damentausch arbeitete Thomas an der Schaffung schwarzer Felderschwächen, damit der schwarzfeldrige Läufer im Endspiel seinen schwächeren Gegenüber im Endspiel beherrscht. Doch nach einigen Abtauschaktionen verflachte die Stellung zum unvermeidbaren Remis.
Arne Joppien sah sich am 3. Brett mit Schwarz einem Gambit in der Schottischen Partie konfrontiert. Leider unterlief ihm schon im 6. Zug ein klarer Eröffnungsfehler. Im Bestreben, diesen Fehler zu korrigieren, kam es zu weiteren zweifelhaften und gekünstelten Verteidigungszügen, die Arne immer mehr in die Bredouille brachten. Schon um den 20. Zug war die Stellung unhaltbar verloren, doch Arne kämpfte verbissen, aber nach weiteren erheblichen Materialverlusten musste er sich geschlagen geben.
Teamchef Dietmar Schade schipperte am 7. Brett als Schwarzspieler erst einmal in den ruhigen Gewässern der Italienischen Partie. Mit Akribie bereitete er am Königsflügel einen massiven Angriff auf den weißen Monarchen vor. Anstatt dieses Vorhaben weiter konsequent durchzudrücken, spielte Dietmar bereits in Zeitnot auch ein paar aktive Züge am Damenflügel, die nicht wirklich hilfreich waren.
Dann opferte er, schon in extremer Zeitnot, einen Läufer am Damenflügel und erhielt tatsächlich immensen Druck, aber die Stellung war kompliziert und bei knapper Zeit griff er dann kurz vor den Zeitkontrolle fehl. Statt seine kluge Strategie belohnt zu sehen, musste er zum deprimierenden 1:4 Zwischenstand aufgeben.
De facto war der Wettkampf gelaufen, denn auch wenn die restlichen Partien nicht schlechter standen für uns, an 3 Siege en suite glaubte keiner.
Uwe Kottke konnte mit Schwarz am 1. Brett in einem seltenen Abspiel des Holländers aus der Eröffnung leichten Vorteil erzielen. Leider hatte Uwe schon frühzeitig viel Zeit investieren müssen, denn die Stellung war recht komplex. Irgendwann kam Uwe richtig in schwere Zeitnot, hielt aber mit stoischer Ruhe dem Gegenspiel stand und hatte schon fast die Zeitkontrolle geschafft, als ihm im 40. Zug mit wenigen Sekunden auf der Uhr der entscheidende Fehler der Partie unterlief. Dann lief sein Gegner zu großer Form auf und spielte das beginnende Endspiel sehr stark. Leider ließ Uwe mit einem möglichen Springertausch und einer echten Remischance im einfachen Turmendspiel mit Minusbauern als letzte Chance aus und steuerte in die Niederlage.
Nun mussten wir beim Stand von 1:5 mit dem Schlimmsten rechnen. Doch auf unsere "Sturm-Truppe" war einmal mehr Verlass.
Frank Sturm quälte seinen Gegner mit Weiß am 6. Brett im Damengambit in einem total remislichen Schwerfigurenmittelspiel viele Züge lang. Jedes Remisangebot des Gegners wurde abgelehnt, sein Siegeswille war unbändig und auch außerhalb des Brettes spürbar. Mit Zähigkeit und Ausdauer konnte Frank dann um den 60. Zug wirklich Druck auf die gegnerische Stellung ausüben, die nach dem Damentausch in einem Bauerngewinn gipfelte. Doch das einfache Turmendspiel mit Mehrbauer war trotzdem stark remisträchtig. Frank agierte weiter mit Druck und Energie. Und es kam wie es kommen musste, denn der Gegner schwächelte im Endspiel und im 92. Zug hatte Frank zum 2:5 verkürzt.
Am 4. Brett spielte Timo Sturm mit Weiß in einem klassischen Holländer mit Stonewall-Formation wieder die längste Partie, die von beiderseitiger Zeitnot geprägt war. Der Gegner griff vehement am Königsflügel an und stellte starke Drohungen für den weißen König auf. Timo behielt kühlen Kopf und entschärfte die Situation mit einem motivierten Qualitätsopfer.
Nun folgte viele Züge lang ein zähes Lavieren, bei dem Timo die bessere Übersicht behielt. Der Gegner hatte sich dummerweise den Springer in der Königsstellung von Timo selbst eingeklemmt. Nach weiteren vielen Zügen hatte Timo diese komplizierte Stellung zu seinem Vorteil wenden können und agierte weiter umsichtig. Beide Spieler befanden sich nun schon mit wenigen Sekunden auf der Uhr vor Vollendung der 7. Spielstunde. Timo Gegner "vergaß" dann die Zeit komplett und überschritt diese in allerdings verlorener Position. Dieser Sieg bedeutete Ergebniskosmetik zum 3:5 Endstand.
Ein wichtiges Manko möchte ich aber nicht unerwähnt lassen. Dieses Mal war unsere Schwarzschwäche entscheidend. Alle vier Partien mit Schwarz wurden verloren, leider. Der positive Aspekt ist, dass Timo Sturm mit 3 Siegen aus 3 Partien der Topscorer der Liga ist. Herzlichen Glückwunsch und weiter so!
Nun heißt es aber für die Verlierer, die Wunden zu lecken, um dann am 11. Dezember 2011 in Stade wieder zu punkten.
Viele Grüße Thomas
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