|
300 Kilometer am Stück, 1500 Höhenmeter, dazu nordische Kälte mit Regen und trotzdem schön!
Die Vorgeschichte
Die Idee geisterte immer mal wieder durch unsere Radsportgruppe. Es gibt da in Südschweden alljährlich eine Rundfahrt um Schwedens zweitgrößten See, den Vättern. Da könnte man doch mal mitfahren. Das wäre bestimmt ein besonderes Erlebnis. Als wir im Spätsommer 2008 erfuhren, dass ein Radsportler vom VFL Stade eine Busfahrt ab Stade mit Radtransport und Unterkunft zu dieser Rundfahrt organisiert, meldeten sich Hartmut Römer, Martin Meiert, mein Bruder Klaus Strunck und ich, Rainer Strunck, kurzerhand für diese Reise an.
Im September erfolgte dann die Anmeldung zu Europas größter Radsportveranstaltung bequem per Internet. Dann kam erst mal der Winter und es war noch so lang hin, bis auch 2009 eine Woche vor Mittsommernacht zur 44. Vätternrundan gestartet wurde. Jeder trainierte individuell auf dieses Ziel hin. Der Abreisetag kam dann doch viel schneller, als wir gedacht hatten.
Die Fakten
Mit fast 19.000 Startern ist die Vätternrundan Europas größte Radsportveranstaltung. Bereits seit 1966 wird immer am Wochenende vor Mittsommernacht die Runde um Schwedens zweitgrößten See gefahren. Es ist also eine Veranstaltung mit langer Tradition. Es sind 300 Kilometer mit etwa 1500 Höhenmetern zu fahren. Start- und Zielort ist das Städtchen Motala. Auf der Strecke gibt es sieben Depots mit Verpflegungsmöglichkeiten. Zusätzlich wird noch eine Frauenrunde und eine Mini-Runde im Vorfeld angeboten.
Die Anreise
Die Wetterbedingungen waren denkbar schlecht und laut Vorhersagen war kaum Besserung für unseren Starttag, Samstag, den 13. Juni, zu erwarten. Es regnete und stürmte am Donnerstag bei der Fahrt nach Schweden heftig. Mit dem PKW fuhren wir zunächst bis Stade, luden unsere Rennräder und Gepäck in einen Transportanhänger bzw. Reisbus und fuhren dann die Nacht durch, bis wir morgens auch am Zielort - unsere Unterkunft war ein stilvolles Wanderheim ca. 30 km vor Motala - feststellen mussten, dass es immer noch regnete.
Nach dem Frühstück und dem Beziehen unseres Team-Zimmers sollte es eigentlich mit dem Rad nach Motala zur Akkreditierung für die Rundfahrt gehen. Der Busfahrer musste eine Ruhezeit einlegen. Niemand fuhr mit Rad, die meisten blieben in der Unterkunft oder nahmen einen Linienbus nach Motala. Wir ließen uns die Startunterlagen von unserem Reiseleiter mitbringen. Nur Martin fuhr in die Stadt und ergänzte seine Ausrüstung für die zu erwartende Fahrt durch Regen und Kälte. Am Abend sollte eine Pasta-Party für die nötigen Kohlenhydrate sorgen. Alle gingen zeitig schlafen, da unsere Gruppe um 4 Uhr 26 am Samstag starten sollte.
Der Start
Nach sehr kurzer Nacht hieß es um 2 Uhr wieder aufstehen und die Ausrüstung für die große Runde vorzubereiten. Um 3 Uhr fuhren uns die Reisebusse nach Motala in die Nähe des Starts. Da bereits seit 20 Uhr am Freitag in Abständen von 2 Minuten gruppenweise gestartet wurde, kam uns eine nicht abreißende Kette von Lichtern entgegengefahren. Ein beeindruckendes Bild. Es war – auch wegen der Bewölkung - noch dunkel und bis 2 Uhr 30 war Beleuchtung am Start vorgeschrieben. Nach dem Ausladen der Räder fuhren wir in den Startbereich. Wir mussten nur kurz warten, um in die Startgasse einrollen zu können. Ein Piepsignal wie beim Zeitfahren der Tour de France, eine für uns unverständliche schwedische Anmoderation - und es ging los.
Wir fahren um den See, 1.Teil
Da wir die Strecke nicht kannten, hatten wir verabredet, zunächst verhaltener zu fahren. Wie fast immer wurde vom Start weg von vielen Fahrern sehr schnell angefahren. Sie haben sich Zeiten vorgenommen, die sie erreichen möchten. Wir hatten bei unserer ersten Vätternrundan vor, anzukommen (über 1000 Starter kamen nicht ins Ziel…). Die erschwerten Bedingungen ließen es ratsam erscheinen, sich zu schonen.
Die erste Phase einer Radveranstaltung ist meistens hektisch, nervös und deshalb auch am gefährlichsten. Schon nach wenigen Kilometern gab es auch einen ersten Sturz. Helfer gibt es auf der Strecke genügend, auch bei technischen Problemen. Ständig fahren Fahrzeuge die Strecke ab und können angehalten werden.
Immer wieder fuhren von hinten später gestartete Speed-Gruppen, Warnschreie ausstoßend auf der Gegenfahrbahn an uns vorbei. Manche dieser Renn-Teams fahren fast profimäßig die gesamten 300 km durch. Ihr Ziel ist es, nur einen einzigen Fahrer als schnellsten durchzubringen. Es soll dort eine alte Rivalität zwischen einem schwedischen und dänischen Team geben, wie uns erzählt wurde.
Nach 43 Kilometer erreichten wir das erste Depot in Hästholmen. Es hatte zu regnen begonnen, die Straßen waren nass. Die Verpflegung war vielfältig und reichhaltig – das blieb auch bis zum Schluss so.
Es ging weiter nach Gränna (Kilometer 80), wo das nächste Depot lag. Wir überfuhren keines der sieben, weil wir auf Nummer sicher gehen wollten. Nun wurden die Steigungen deutlich anspruchsvoller, weil wir das Seeufer verließen und in die hügelige und teilweise felsige Landschaft eintauchten. Das war wörtlich zu nehmen, denn die Wolken hingen so tief, dass man sie fast meinte anfassen zu können. Nasse Füße hatte mittlerweile jeder von uns und Abfahrten jenseits von 60 km/h in großen Gruppen bei nasser Fahrbahn mit schlechter Sicht sind natürlich gefährlich – doch wer daran denkt, kann es gleich sein lassen.
In Janköping machten wir am Depot, einer großen Messehalle, eine längere Pause. Hier hatten wir bei km 109 die Südspitze des Vättern erreicht, aber noch nicht die Hälfte der Strecke gefahren. Es gab warme Verpflegung. Ich wählte Gröt (Hafergrütze), die man mit Johannisbeermus und Zucker verfeinern konnte. Astrid Lindgrens Bullerbü lebt offenbar immer noch in Schweden fort. Auch Spezialitäten wie Heidelbeersuppe und warmes Honiggetränk, die gar nicht übel schmeckten, wurden an einigen Depots angeboten.
Wir fahren um den See, Teil 2
Jetzt also das Westufer entlang. Dachten wir zunächst, dass mit der vorangegangenen Bergetappe die Steigungen weitgehend überwunden waren, so täuschten wir uns. Nach Durchquerung von Janköping, einer größeren Stadt, ging es gleich weiter mit knackigen Anstiegen. Es musste ordentlich gearbeitet werden. In Fagerhult kam bei km 140 das nächste Depot (s. Foto oben) und immer noch nicht war die halbe Strecke gefahren. Als wir in Hjö 178 km gefahren und uns erneut eine Pause mit Verpflegung verdient hatten, stellten wir fest, dass noch niemand von uns eine solche Strecke am Stück gefahren war. Und wir waren mit deutlich über 30 km/h noch immer ziemlich schnell (gemessen an unserem Leistungsvermögen) unterwegs.
Es war einigermaßen trocken geworden, aber es blieb die ganze Tour lang kühl. Zur Kontrolle, wo sich die Fahrer auf der Strecke ungefähr befinden, überfuhren wir seit dem Start die vierte Zeiterfassungsmatte. Jeder Fahrer trug einen Transponder am Bein. So konnte Doris Römer (und wer es sonst noch wollte) in Cadenberge im Internet mitverfolgen, auf welchem Streckenabschnitt wir uns befanden. In der Stadt Karlsborg gab es bei km 210 direkt am Hafen eine erneute Verpflegung. Alle fühlten sich gut. Es wurde oft gescherzt während dieser Pausen.
Schon nach 22 km gab es ein weiteres Depot. Ihre Abstände verkürzten sich. Ein Hinweis, wie gut der Veranstalter das Leistungsvermögen von Breitensportlern einzuschätzen vermochte. Eine so lange Strecke fordert von vielen alles und manche überfordert sie schlichtweg. Wir sahen häufiger Fahrer die auf der Strecke anhielten, um zusätzliche Pausen zu machen. Der Fahrstil mancher ließ bereits auf totale Erschöpfung schließen.
Beeindruckend fanden wir die Veteranen und Pioniere (besondere Startnummern weisen sie aus), die immer als erste ab 8 Uhr am Freitag starten. Manche sind fast einen Tag um den See unterwegs. Der älteste ist seit 44 Jahren mit einem normalen Tourenrad dabei. Einige haben nicht einmal eine Gangschaltung. Der Teilnehmerkreis ist sehr vielfältig – vom ambitionierten Rennfahrer bis zum gemütlichen Tourenfahrer, wobei die Rennräder eindeutig dominieren. Wieder ein Depot im Wald, direkt am See gelegen. Es waren jetzt 232 km zurückgelegt. Die Marathondistanz der Radtourenfahrer war überschritten. Für alle zum ersten Mal.
Immer noch ging es ständig durch wellige Landschaft und dann hatten wir endlich gegen 17 Uhr 15 die Nordspitze des Vättern in Hammarsundet erreicht. Wir überfuhren eine Brücke mit Seeblick und bogen in das vorletzte Depot dahinter ein. Noch 41 km bis Motala.
Das Finale
Jeder war überzeugt, dass er es schaffen konnte. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag noch immer jenseits von 30 km/h. Es war schon beeindruckend, diese neue Erfahrung machen zu können. Die Anstiege, die nun folgten, taten einigen sicher weh. Wir überholten jetzt nur noch erschöpfte Fahrer. Viele schoben nach oben – es ging nichts mehr. Ich fühlte mich noch immer gut und fuhr meinen Rhythmus auch bis zum letzten Depot in Medevi durch. Noch 21 km bis zur Zielgasse in Motala. Essen mochte von uns niemand recht, doch kurz verschnaufen und trinken war sicher hilfreich.
Der letzte Streckenabschnitt begann. Auf kleinen Nebenstraßen gab es nun keine größeren Anstiege mehr zu bewältigen. Als die Stadt erreicht war, gab das den letzten Schub. Dann, nach 10 Stunden Fahrzeit (ein tolles Ergebnis) und einer Gesamtzeit von mehr als 13,5 Stunden fuhren wir durch das Ziel. Die Medaille wurde jedem Finisher sofort umgelegt – es war ein bewegender Moment. Unsere Zeitabstände lagen nur im einstelligen Minutenbereich – wir sind die 44. Vätternrundan gemeinsam gefahren. Ein Siegerbier und Nudeln gab es für jeden im Zielbereich. Unser Bus fuhr uns nach reichlicher Wartezeit zurück in die Unterkunft und endlich konnte geduscht werden. Geschlafen haben wohl alle sehr gut in dieser Nacht.
Fazit: Es war schön!
Am Morgen ging es mit dem Bus zurück nach Stade. Spät am Sonntagabend kamen wir sehr zufrieden und wohlbehalten in Cadenberge wieder an. Keinen technischen Defekt, nicht einmal einen Plattfuß oder gar Stürze hatte es gegeben. Neben unserer bislang größten sportlichen Leistung war dies am wichtigsten. Der Aufwand war sicher beträchtlich. Auch die Bedingungen mit kühlem und zunächst regnerischem Wetter waren ungünstig. Trotzdem: Es war schön und richtig, hier mitgefahren zu sein!
Rainer Strunck
Bilder der Schwedenfahrt:
|
|
Radsport: Nord-Harzer Bergtour 2009
05.08.2009 Fünf Radsportler des TSV Germania Cadenberge sowie zwei befreundete Radsportler aus Hemmoor machten sich am 02. August 2009 auf, um die „Bergwelt“ des Harzes zu erobern. Für uns Flachländer eine enorme Herausforderung, aber auch ein großartiges Erlebnis.
Der Tag begann um 4.00 Uhr. Treffen bei Reiner Grantz. Abfahrt nach Bad Harzburg (243 m/NN). Gegen 8.00 Uhr erreichten wir unser Ziel. Gute 300 Teilnehmer sind um 8.30 Uhr gestartet. Bei dieser RTF (RadTourenFahrt) konnten Strecken von 23, 43, 77, 111 und 153 km unter die Räder genommen werden. Reiner Grantz, Jörg Hagelweide und Uwe von Allwörden als Kenner der Szene hatten sich für die 153 km entschieden, die Berg-Neulinge Ulf Harms, Stefan Reyelt sowie Annett und Ralf Bode die 111 km vorgenommen.
Beim Start alle in guter Stimmung und voller Vorfreude auf die sportliche Herausforderung. Wettermäßig alles bestens. Bedeckter Himmel, kaum Wind, milde Temperaturen und vor allem (trotz Ankündigung) kein Regen. Die Strecke bis zum ersten Kontroll- und Verpflegungspunkt nach 28 km u.a. über Harlingerode, Hahndorf, Langelsheim nach Wolfshagen (363 m/NN) diente mehr dem Einrollen. Es ging zwar stetig, aber noch recht gemäßigt bergauf. Das Verpflegungsangebot bestand aus den üblichen Getränken und Beilagen sowie Rosinenstuten.
Vom Kontrollpunkt aus erfolgte dann die erste rasante Abfahrt nach Lautenthal. Von hier aus ging es dann mit kräftigen Steigungen über Bockswiese bzw. Seesen und Bad Grund bergauf in Richtung Clausthal-Zellerfeld (599 m/NN). Dort erwartete uns die zweite Kontroll- und Verpflegungsstelle. Nette Leute zwar, dass Verpflegungsangebot aber doch schon recht übersichtlich.
Trotz allem gestärkt ging es nun in Richtung St. Andreasberg. Vor der rasanten Abfahrt in diesen Ort wartete allerdings der „Sonnenberg“ (834 m/NN). Für uns Neulinge eine noch nicht erlebte Anstrengung. Langgezogener, steiler Aufstieg mit 12 %. Der Weg nahm und nahm kein Ende. Dieser bei der hohen körperlichen Belastung auftretende Gedanke „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ war allerdings mit der „Bergankunft“ wie weggewischt. Glücksgefühle pur. Den haben wir ! geschafft.
Nun „nur“ noch die Abfahrt mit 18 % Gefälle zur dritten und letzten Kontroll- und Verpflegungsstation in St. Andreasberg (458 m/NN). So eine Abfahrt ist aber auch leichter gesagt als getan. Das aus hohen Geschwindigkeiten von über 60 km/h notwendige ständige Runterbremsen kostet Kraft und geht ganz schön in Arme und Handgelenke.
Nun wartete das letzte und vom Papier her schwierigste Teilstück der Tour auf uns. Der Aufstieg nach Torfhaus (838 m/NN). Langsam aber sicher sind hier bei manchem Teilnehmer die Kraftreserven ausgegangen. Unser Cadenberger Team hat sich allerdings hervorragend geschlagen. Gutes Training zahlt sich aus!
Mit einem Geschwindigkeitsrausch in der Abfahrt von Torfhaus nach Bad Harzburg näherte sich das Ende unserer RTF. Ohne Panne und Sturz, gesund und munter erreichten wir den Start-/Zielpunkt. Wir haben 2.500 bzw. 1.750 Höhenmeter in einer Fahrtzeit zwischen 5 und 6 Stunden überwunden und waren daher allesamt mächtig stolz auf unsere Leistung. Sehr gute Duschen sowie auf dem Rückweg das leckere Kuchenbuffet bei „Vadder“ in Schwarmstedt rundeten den tollen Tag ab. Ralf Bode
|